Die Rückkehr der Rabenvögel - Krähen sorgen vielerorts für Ärger - Landmaschinen Eggert

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Die Rückkehr der Rabenvögel - Krähen sorgen vielerorts für Ärger

Erschienen am 22.04.2019
Augsburg (dpa) - Im Londoner Tower sind sie eine von Touristen gern fotografierte Attraktion - die Raben. Die britische Monarchie würde untergehen, wenn die pechschwarzen Vögel aus der Festung an der Themse verschwinden, lautet eine alte Legende. In Deutschland können Rabenvögel hingegen nicht annähernd so hohe Beliebtheitswerte aufweisen wie ihre Artgenossen aus England.

Viele Menschen betrachten die Tiere eher argwöhnisch. Manche Landwirte fürchten, dass die zu dieser Vogelfamilie gehörenden Saatkrähen die Keimlinge von den Äckern picken. In Ortschaften klagen Menschen über die Verschmutzung oder die Geräusche der Tiere - oftmals ist von «Krähenplage» die Rede. Inzwischen beschweren sich in Ostdeutschland sogar Schäfer, dass Kolkraben frisch geborene Lämmer töten würden. Umweltschützer loben hingegen die Bedeutung der Vögel für die Natur, beispielsweise als Mäusejäger - die Fronten sind also verhärtet.

Mitunter führt der Konflikt zu gruseligen Szenen. So hatte 2016 ein Bauer bei Langerringen im Landkreis Augsburg tote Krähen an einem Galgen aufgehängt, um Artgenossen von seinem Acker zu vertreiben. Ein Sprecher vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern sprach damals bei der Art der Zurschaustellung der toten Tiere von «Frevel».

Uta Maria Jürgens, Sprecherin der Bundesarbeitsgruppe Rabenvogelschutz im Nabu (Naturschutzbund Deutschland), kann solche Aktionen ebenfalls nicht verstehen. «Der Name der Saatkrähe ist das erste Vorurteil», sagt sie. Die Rabenvögel würden zwar auch Saat fressen, vorzugsweise aber schädliche Insekten auf den Feldern suchen. Davon könne der Landwirt sogar noch profitieren.

Krähenkenner weisen darauf hin, dass sich die Vögel sowieso kaum vergrämen lassen. Die Rabenvögel werden als sehr intelligent beschrieben. Selbst der Deutsche Bauernverband sieht die Krähen nicht mehr als ein wesentliches Problem der Landwirtschaft an.

Der Konflikt rund um die Krähen nahm in den vergangenen Jahren zwar stetig zu, ist aber alles andere als neu. Die damalige Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg versuchte schon in den 1980er Jahren zwischen Krähenfans und -gegnern zu vermitteln. «Viele Wissenschaftler haben sich bemüht, die Nützlichkeit der Saatkrähe zu beweisen, und ebensoviele haben nachweisen wollen, dass Saatkrähen doch Schäden anrichten», hieß es damals in einem Leitfaden der Behörde, der ein Zusammenleben von Mensch und Krähe fördern sollte. Nach Beobachtung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ist die Verteilung der Vögel nicht einheitlich, so lassen sich die geschützten Saatkrähen im Freistaat beispielsweise besonders gerne in Schwaben nieder. Nach den Zahlen der Behörde haben sich in Bayern die Brutpaare zwischen 1955 und 2013 von gerade einmal 600 auf rund 8500 vermehrt. Doch die Statistik ist nur die halbe Wahrheit, denn zuvor waren die Vögel fast ausgerottet. Ende des 19. Jahrhunderts lebten noch mehr Saatkrähen als heute in Bayern.

In anderen Bundesländern sollen sich die Bestände in ähnlichem Umfang erholt haben, seit die Vögel vor einigen Jahrzehnten unter Schutz gestellt wurden. Der Nabu geht von bundesweit etwa 80 000 bis 89 000 Paaren aus. Expertin Jürgens rechnet damit, dass nun der «Sättigungseffekt» eintritt, ein ähnlich starker weiterer Anstieg sei nicht zu erwarten.

Doch mittlerweile zieht es die Tiere zunehmend in die Städte, wohl weil sie auf dem Land kaum noch gute Lebensräume vorfinden. Dann gibt es Beschwerden, wenn die Vögel sich in den Parks oder auf Spielplätzen niederlassen. Etliche Städte haben bereits versucht, die Rabenvögel wieder zu vertreiben. Die Liste der Maßnahmen ist lang: Bäume werden gefällt, die Feuerwehr spritzt vor der Brutzeit die Nester aus den Kronen, akustische Vogelscheuchen und Böller machen Lärm oder Falken werden ins Revier geschickt.

Doch viele Kommunen geben wieder auf, denn: Kaum eine Maßnahme sei nachhaltig erfolgreich, betont das bayerische Umwelt-Landesamt. «Im Gegenteil, in vielen Gemeinden kam es zu einer Vermehrung der Kolonien», heißt es in einem Konzeptpapier zum Umgang mit Saatkrähen. Durch die Störungen spalteten sich die Vogelgruppen auf. «Dadurch werden Probleme, die an einem Koloniestandort gebündelt waren, nun auf mehrere Standorte verteilt, oft verbunden mit einer Zunahme der Gesamtzahl der Brutpaare.»